Warum LibreOffice eine bessere Qualitätskontrolle benötigt!

Ich musste die vorletzte Woche ein sogenanntes „Book of Abstracts“ für eine Summer School an der JLU erstellen. Das Book besteht im Grunde nur aus einer Ansammlung von einzelnen kleinen Artikeln und umfasste am Ende nicht mehr als etwa ein Dutzend Bilder und knapp 50 Seiten. Also nichts, was ein modernes Office-Paket überfordern sollte.

Das sollte habe ich absichtlich kursiv geschrieben, da mich die Erstellung des Books dann doch einiges an Nerven gekostet hat, was zu 100% an zwei sehr auffälligen Bugs in LibreOffice lag. Diese waren nicht plattformspezifisch (Sie traten mit der Vanilla-Version unter OSX genauso auf, wie unter der Distributionsspezifischen Version von LibreOffice unter Ubuntu 14.04):

Bug #1: Unter LibreOffice 5.x verschwanden beim PDF-Export oder Abspeichern immer alle oder ein Teil der Bildbeschreibungen. Ein kurzer Resize der Bilder zauberte die Beschreibungen zwar wieder her, waren aber dann beim nächsten Export oder Abspeichern wieder weg. Der Bug ist bekannt und wurde erst mit LibreOffice 5.x eingeführt, da es mit LibreOffice 4.5 nicht zu dem Problem kam.

https://bugs.documentfoundation.org/show_bug.cgi?id=93461

Der Bug ist im Quellcode jetzt zwar beseitigt, man muss aber die Daily-Version installieren um diesen zu beseitigen. Voraussichtlich wird der Bug also noch einen Monat offiziell bestehen bleiben, nämlich solange bis die Version 5.0.3 erscheint.

Ich habe wegen dieses Bugs dann zu LO 4.5 zurückgewechselt (Das unter OSX direkt über den AppStore verfügbar ist), was dann aber zu Bug #2 führte:

Beim PDF-Export unter LibreOffice 4.5 wurde die Blocksatzformatierung der Texte gegen eine Mischung von aus linksbündigem Satz (Text) und Blocksatz (Trennstriche am Ende der Zeile) ersetzt. Der Bug ist in LibreOffice 5.x zwar nicht mehr vorhanden, aber da hat man ja den Bug #1. Umgehen konnte ich den Bug nur, indem ich einen PDF-Drucker in CUPS installiert und diesen dann anstatt des PDF-Exports benutzt habe.

Siehe auch: https://ask.libreoffice.org/en/question/47467/writer-44-export-as-pdf-losses-formatting

Jedenfalls haben mich die zwei Bugs sehr viel Nerven gekostet, da man ja zuerst den Fehler bei sich sucht und nicht beim Programm. Was mich daran am meisten wundert, ist die Tatsache, dass solche Bugs überhaupt durch die Qualitätssicherung durchrutschen, da es sich dabei um elementare Bestandteile von LibreOffice handelt.

Gerade der Bug #1 scheint nur aufzutreten, wenn man größere Dokumente bearbeitet, was die Frage meinerseits aufwirft ob die Entwickler nur kurze Dokumente zum Testen benutzen. Mir kommt es langsam so vor, dass es kaum jemand zu geben scheint, der größere Dokumente erstellt und die Funktion für Bildbeschreibungen einsetzt.

Der Bug #2 ist auch seltsam, da Blocksatz bei der Erstellung von Dokumenten keine Seltenheit ist und der eingebaute PDF-Export von LibreOffice eines der Killerfeatures in der Vergangenheit war. Es ist schon sehr seltsam, dass niemanden dieser Bug aufgefallen ist bzw. niemand den Bug seit Version 4.4 beseitigt hat (Immerhin ist die Version 4.5 eine Langzeitversion).

Jedenfalls muss die DocumentFoundation unbedingt an der Qualitätssicherung arbeiten. Es kann nicht sein, dass elementare Funktionen von LO gravierende Bugs enthalten und diese niemanden auffallen. Gerade im Zusammenhang mit Nachrichten wie z.B. dass die italienische Armee 150.000 Rechner auf LibreOffice umstellt, muss das Bugfixing in den Vordergrund gestellt werden. Ansonsten wird LO nämlich nie als wirkliche Alternative zu Microsoft Office angesehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.