Erfahrungen beim Installieren von Ubuntu auf Dutzenden von Notebooks

Heute musste ich mit meinem Kommilitonen im Rahmen unseres HiWi-Jobs auf Dutzenden von Notebooks Linux installieren. Dabei waren die Notebooks von den unterschiedlichsten Marken und Modellen (Eben die privaten Notebooks der Studenten). In unserem Studiengang „Bioinformatik“ ist Linux sozusagen Pflicht und unsere Aufgabe ist es die neuen Studenten bei der Installation und beim weiteren Benutzen zu unterstützen.

Dabei gab es eigentlich nur drei wiederholt auftauchende Probleme:

  1. Bei den wenigsten neuen Notebooks gibt es noch eine dezidierte Taste, mit der man beim Hochfahren ins Firmware-Setup kommt (z.B. F2). Bei nahezu allen Notebooks musste man erst Windows booten und dann über dessen „Wiederherstellung“-Menü das Starten vom Stick und/oder des Firmware-Setup anstoßen. Und das dauert, da die wenigsten eine SSD verbaut haben und das Grundsystem mit allen möglichen Dreingaben vermüllt sind. Gerade im Zusammenhang mit den Punkten 2 und 3 macht das eine Installation sehr zäh.
  2. Auf den aktuellen Notebooks ist man zu 99% damit beschäftigt eine vorhandene Windows-Installation soweit zu zähmen, dass sie nicht immer Reihenfolge der UEFI-Booteinträge verändert und wieder Windows an erste Stelle rückt. Je nach Notebook musste ich dabei zwei Wege gehen:
    1. Per bcedit Windows die EFI-Datei „grubx64.efi“ als Standardbootmanager unterschieben. Wenn das allein nicht reichte, musste ich …
    2. … per „efibootmgr“ unter Ubuntu den Windows-Booteintrag deaktivieren (Kam zum Glück nur einmal vor).
  3. Wenn diese Hürde umschifft war und eine Ubuntu-Installation erst einmal von sich aus bootete, kamen die alten Treiberprobleme teilweise wieder hoch. So war in einem sehr aktuellen Notebook eine Atheros-WLAN-Karte verbaut, für die es in Linux 3.19 noch keine Treiber gibt. Hier werde ich noch nacharbeiten und eine aktuellere Kernelversion installieren oder gleich auf Ubuntu 15.10 umsteigen müssen. Da die nächste Ubuntu-Version 16.04 wieder eine LTS-Version ist, würde das bei den meisten auch nur ein Upgrade für die nächsten Jahre bedeuten.

Die größte Baustelle war und ist (Es läuft noch nicht komplett) ein kleines ASUS-Netbook vom Typ X205T. Was ich hier erlebt habe, dürfte so ziemlich die schlimmste Linux-Installations-Odyssee gewesen sein, die mir je in meiner Linux-„Laufbahn“ begegnet ist.

Da die SSD in dem Netbook nur 32GB hat und der Rechner auch nur 2GB RAM, kam eine Installation von Linux im Dualboot und per virtueller Maschine nicht in Frage. Windows zu behalten war auch keine Option, da wir im Studium Linux benötigen.

Jedenfalls lies sich kein normales Ubuntu-Image vom Stick booten. Auch das Starten einer UEFI-Shell von einem Stick schlug fehl. Erst ein Student aus der Fachschaft bemerkte, dass das Notebook eine 32bit-UEFI-Firmware hat. Man musste anstatt dem Bootloader „bootx64.efi“ den Loader bootia32.efi auf den Stick kopieren und ersteren durch Umbenennen lahmlegen. Nach diesem Eingriff bootete ein Standard-64bit-Ubuntu 14.04.03 problemlos und man konnte es auch installieren.

Da aber Ubuntu nichts von der 32bit-UEFI-Firmware wusste, wurde während der Installation Grub2 für die 64bit-UEFI-Variante installiert. Das konnte nicht funktionieren. Man muss also direkt nach der Installation per chroot-Umgebung die 64bit-Variante deinstallieren und die 32bit-Variante installieren (Paket „grub-efi-ia32“). Das das WLAN noch nicht funktionierte (Keine Treiber), musste ich über einen zusätzlichen Rechner die passenden Pakete herunterladen. Nach dieser Prozedur bootete das Notebook aber eine normale 64bit-Ubuntu-Installation.

Um das WLAN des Netbooks zum Laufen zu bekommen, habe ich dann die Kernel-Version 4.2.3 installiert und mich dann an die Anleitung aus dem folgenden Link gehalten:

Installing Debian On „Asus X205TA

Eine andere Baustelle ist Ubuntu selbst. Aus irgendeinem unbekannten Grund stürzen regelmäßig Programme ab und ein bestimmtes Programm (Processing) weigert sich wegen nicht genügender Rechte zu Starten, obwohl diese definitiv vorhanden sind. Ersteres ist mir so noch nie begegnet. Zum Beispiel stürzt reproduzierbar das GNOME-Terminal ab, wenn man „dmesg“ aufrufen will. Mit dem „XTerm“ oder „LXTerminal“ gibt es dieses Problem nicht.

Jedenfalls ist das Netbook eine absolute Katastrophe und ich war schon kurz davor das Ding aus dem Fenster zu werfen. Leider braucht meine Kommilitonin das Netbook und Linux muss halt auch installiert sein. Mir wird also nicht anderes übrig bleiben, als das Ding soweit zum Laufen zu bekommen, dass sie damit einigermaßen Arbeiten kann (Was nicht leicht wird, da die Tastatur und das Touchpad eine Katastrophe sind und der Bildschirm für Eclipse viel zu klein ist). Ich werde diese Woche mal das bald erscheinende Ubuntu 15.10 testen bzw. dessen Derivat Xubuntu 15.10. Ich hoffe, dass ich bei diesem nicht so viel nacharbeiten muss.

Das Gerät ist selbst unter Windows nicht zum Arbeiten zu gebrauchen, weshalb ich meiner neuen Komilitonin raten werde, sich ein gebrauchtes Thinkpad zuzulegen. Das funktioniert wenigstens problemlos unter Linux (Egal welche Distribution) und hat eine sehr gute Tastatur (Vom Display gar nicht erst zu reden).

Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Tag war aber folgende:

Ein Anfänger kann mit ein wenig Hilfe heutzutage problemlos eine Linux-Distribution installieren und die meisten Geräte stellen auch kein Problem mehr dar. Die größten Problem sind aber, wie schon eigentlich immer, topaktuelle Hardware und Hersteller, für die nur Windows zu existieren scheint. Wenn dann in diesem Zusammenhang Probleme auftauchen, ist ein Umsteiger ohne Linux-Erfahrung komplett verloren. Bei dem obigen Asus-Netbook kommt man selbst als sehr erfahrener Ubuntu-Benutzer an seine Grenzen.

Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen auf mich und meinen Kommilitonen zukommt und welche Probleme bei dieser großen Diversität von Geräten noch auftauchen.

4 Antworten auf „Erfahrungen beim Installieren von Ubuntu auf Dutzenden von Notebooks“

      1. Bei der Installation erscheint ein Fehler, dass grub efi is 32 nicht im Ordner Target installiert werden kann.. Also muss ich jetzt das Paket laden und im Live Modus über DSKG installieren und vorher 64 bit deinstallieren?

        Bin für jede Hilfe dankbar, echt tricky mit dem Asus, bei meinem T61 ging alles bestens.

        1. Du musst folgendermaßen vorgehen:

          1. Live-CD modifizieren
          2. Ubuntu von der Live-CD installieren
          3. Vor dem Neustart in die neue Installation „chrooten“, dass 64bit-Paket von Grub2 deinstallieren und das Paket „grub-efi-ia32“ installieren.

          Danach sollte der Rechner sauber booten.

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